Cloud Atlas (2012)

Cloud Atlas

Eine Literaturverfilmung von Tom Tykwer und den Wachowski-Geschwistern, Lana und Andy Wachowski, die auch zu dritt das Drehbuch verfasst haben. In jeweils mehreren Rollen zu sehen sind: Tom Hanks, Halle Berry, Jim Sturgess, Hugo Weaving, Jim Broadbent, Ben Whishaw.

Sechs Geschichten werden über mehrere Jahrtausende hinweg in sechs Zeitaltern erzählt. Das Darsteller-Ensemble übernimmt dabei in jeder der einzelnen Geschichte eine Rolle, die eine Art „Resultat“ ihrer Handlungen aus den vorherigen Zeitaltern ergeben.

 

Ein fantastisches und modernes Epos, das in all seiner Komplexität doch auf unbekannte Art und Weise begeistert. Viel zu lang hat es so einen Film nicht mehr gegeben – ohne Superhelden zumindest. Denn die Helden in diesem Film sind einfach keine.
Cloud-Atlas ist ein Episodenfilm, der sich weder für ein Genre, noch für einen Handlungsstrang entscheidet. Wer sich auf die drei Stunden Laufzeit einlässt, der wird sich beim Abspann wundern, wie schnell die verflogen sind. Verwöhnte Zuschauer, die sich einfach nur von einem Film berieseln lassen wollen, gehen besser ein paar Kinosäle weiter. Obwohl auch hier genretypische Elemente eingewoben sind, wie eine Brücken-Verfolgungsjagd, Slapstick, Thriller-Elemente, Romantik und Schießereien, überwiegt eine gewisse Ganzheitlichkeit des Abenteuers „Cloud-Atlas“, das, so unterschiedlich die Elemente auch sind, die Geschichten und die Charaktere miteinander verbindet. Untermalt von wunderbar stimmiger Musik und großen Bildern, dargestellt von einer großartigen Riege gemischt aus Superstars und aufstrebenden Talenten gelingt das Experiment. Vom abenteuerlichen Kammerspiel auf einem Boot in der historischen Südsee über Utopien für die doch erschreckend nahe Zukunft bis hin in die Einsamkeit der Endzeit in überwältigender Fülle. Der rote Faden ist die Botschaft – des Autors und der Filmemacher. Ich habe das Buch gelesen und bin beeindruckt, dass dieser als unverfilmbar geltende Roman doch so stimmig und organisch umgesetzt werden konnte. Die Übergänge funktionieren, Jahrhunderte-umfassende Zeitsprünge reißen einen nicht aus der Handlung – ganz im Gegenteil. Die Handlung wurde gekürzt, klar, aber selten Sinnentstellend. Ein paar Längen hat der Film auch, trotzdem schmälern die das Filmvergnügen nicht unbedingt. Vielleicht bleiben die Charakter an der einen oder anderen Stelle etwas roh gezeichnet, aber zumindest für mich, mit dem Wissen des Buches im Hintergrund ist das ein Luxusproblem, denn die Charaktere im Film zeigen immer noch mehr Tiefe als das Gros der Filmcharaktere zusammen, die sonst so im Blockbuster-Kino über die Leinwand geschubst werden. Ein Film kann die Tiefe eines über 670-Seiten starken Buchs nun mal nicht aufgreifen.

Herausstechend ist die Make-Up und Kostüm-Abteilung. Hautfarben werden hier genauso gewechselt dargestellt wie Geschlechter, und deswegen erkennt man sie nicht alle, die Darsteller. Und so einige Gesichter in Nebenrollen sind dabei, die mehr nach Knetmaße ausschauen, aber das ist angesichts der Epik des Streifens ganz gut weg zu stecken.
Cloud-Atlas ist eigentlich nichts, was es bisher so gegeben hat. Das macht einen „einfachen“ Filmgenuss etwas schwierig. Die Komplexität des Streifens und der Absicht entblättert sich nicht gleich jedem Zuschauer beim ersten Schauen. Aber der Film lässt hoffen, dass es zukünftig mehr Filme gibt, die ihre Zuschauer wieder fordern und ihnen etwas zutrauen. Auch Cloud-Atlas wird keiner im Ganzen verstehen können. Vielleicht werden aber Impulse gesetzt, das würde schon reichen. Der ewige Kreis dreht sich weiter.
Alles ist verbunden – die Botschaft wird einem spätestens dann bewusst werden, wenn man sich den Film noch (ein paar Mal) anschaut.

4 von fünf Kinosesseln

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